Durchführung von Wickeln
Allgemeine Hinweise für die Durchführung von Wickeln
Auch wenn die Äußeren Anwendungen auf gemeinsamen Grundprinzipien beruhen, variiert ihre praktische Durchführung von Land zu Land, von Region zu Region und von Einrichtung zu Einrichtung.
Die im Vademecum beschriebenen Anleitungen wurden von der Redaktion erarbeitet. Sie beruhen auf den langjährigen praktischen Erfahrungen der Redaktionsmitglieder, die diese in verschiedenen anthroposophischen Einrichtungen sowie in der ambulanten Tätigkeit gesammelt haben, und wurden durch Beiträge weiterer Einsender ergänzt.
Die von uns veröffentlichten Anleitungen verstehen sich als Orientierungshilfe und nicht als verbindlicher Standard. Selbstverständlich kann jeder die eigene, bewährte Vorgehensweise in eigener Verantwortung beibehalten. Das Vademecum bietet eine Plattform, um über verschiedene Gesichtspunkte der Herangehensweisen in Austausch zu kommen.
Wickelmaterial
Wichtig: dies sind ALLGEMEINE Hinweise; im Detail ergeben sich von Wickel zu Wickel Abweichungen
- Innentuch = Substanztuch
- Für Öl oder Salben-Auflagen: glatte, wenig aufsaugende Baumwolle oder Leinen (z.B. Stofftaschentücher, alte Bettwäsche), zweifache Stofflage in der benötigten Auflagengröße
- Für feuchte Wickel: saugfähige Mull (Gaze) -Windel, ca. 4–6-lagig in der benötigten Auflagegröße
- Für Kataplasmen: je nach verwendeter Substanz (auf Festigkeit und Durchlässigkeit achten) z.B. Küchenpapier, Kompressen (aus Baumwolle) oder alte Baumwolltücher
- Zwischentuch nur für zirkuläre Wickel: weicher Stoff (angeraute Baumwolle in zweifacher Stofflage oder Frottee in einfacher Stofflage). Die Länge entspricht anderthalbmal dem Körperumfang
- Außentuch nur für zirkuläre Wickel: als Wärmehülle (Wollstoff, Molton, Frotteebadetuch) umschließt alle Tücher. Die Länge entspricht dem Zwischentuch.
Bei Auflagen reicht ein Wärmepolster (Wollflies, eingepackte Baumwollwatte, Frottee), welches das Substanztuch überdeckt.
Vorbereitung von Patient, Zimmer und Material
Patient
- Abstand zur letzten Mahlzeit mindestens eine halbe Stunde
- Blase entleeren vor der Anwendung
- Auf warme Füße achten! Bei Bedarf Wärmflasche oder Fußbad (sonst besteht die Gefahr, dass die vom Wickel kommende Wärme kopfwärts steigt und die Füße noch kälter werden)
- Alle beengenden Bekleidungsteile, auch Uhren, Schmuck etc. entfernen
Zimmer
Der Raum sollte gut gelüftet, angenehm temperiert und frei von Zugluft sein. Nach Möglichkeit werden die Fenster vor Beginn der Anwendung geschlossen. Mediengeräte sind auszuschalten, und es ist für eine ruhige Atmosphäre zu sorgen. Direkter Lichteinfall auf die Augen sollte vermieden werden. Das gilt auch für die Nachruhe.
Material
Alle für die Anwendung benötigten Materialien werden vor Beginn vorbereitet und griffbereit am Bett platziert. Dazu gehören insbesondere eine Knierolle, ein kleines Nackenkissen sowie die erforderlichen Wickelutensilien.
Wärmflasche
Die Wärmflasche darf nicht mit kochendem Wasser und sollte nicht prall gefüllt werden. Vor dem Verschließen ist sie zu entlüften, indem sie flach auf eine Unterlage gelegt und der Einfüllstutzen aufrecht gehalten wird, sodass die Luft vollständig entweichen kann. Die fertige Wärmflasche wird nach Bedarf in eine Hülle gelegt.
Positionierung & Durchführung
Der Patient wird über den Ablauf der Anwendung informiert.
Nach Möglichkeit erfolgt die Anwendung in Rückenlage. Bei Bedarf kann der Oberkörper hochgelagert und die Arme entsprechend unterstützt werden.
Außentuch und Zwischentuch werden im Bett auf Höhe der zu behandelnden Körperstelle ausgelegt. Der Patient legt sich darauf. Anschließend werden die Tücher nacheinander über dem Substanztuch gut anplastiziert. Bei Bedarf können sie zusätzlich mit Pflaster fixiert werden.
Zur Entlastung kann eine Knierolle oder eine vergleichbare Unterstützung untergelegt werden. Anschließend wird der Patient gut zugedeckt, einschließlich der Schultern. Im Halsbereich ist darauf zu achten, dass keine Einengung entsteht. Bei Engegefühl im Herzbereich und/oder Luftnot sollten die Hände unbedeckt bleiben. Ein kleines Kissen im Nacken entlastet den Kopf, sodass dieser nicht aktiv gehalten werden muss. Eine eventuell verwendete Wärmflasche wird vor der Anwendung von den Füßen entfernt. Die Füße werden anschließend sorgfältig zugedeckt – auch seitlich –, ohne Druck auf die Zehen auszuüben.
Wichtig ist, dass der Patient die Lage als angenehm empfindet!
Temperatur
Feucht-heiße Wickel: Das getränkte Substanztuch so kräftig auswringen, bis keine Flüssigkeit mehr austritt. Um den Patienten an die Wärme zu gewöhnen, das heiße Tuch zunächst mehrmals vorsichtig an die Haut antupfen, bis es für den Patienten verträglich ist. Das Tuch möglichst heiß auflegen. Verbrennungsgefahr bei zu feuchter und zu heißer Applikation!
Bei Fieber ab etwa 39°C: Die Wickellösung etwa 2°C unter der aktuellen Körpertemperatur wählen. Dadurch entfaltet der Wickel eine kühlende Wirkung.
Nachruhe
Zu jeder Wickelanwendung gehört eine Nachruhe. Sie beginnt unmittelbar nach dem Entfernen des Wickels und ist ein wesentlicher Bestandteil der Behandlung. Die Nachruhe gibt dem Körper die Möglichkeit, auf den gesetzten Impuls zu reagieren und die Wirkung der Anwendung zu entfalten. In der Regel beträgt sie 30 Minuten.
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